Und noch zwei Kästner schon für Sylvester/Fasching:
Maskenball im Hochgebirge
Eines schönen Abends wurden alle
Gäste des Hotels verrückt, und sie
rannten schlagerbrüllend aus der Halle
in die Dunkelheit und fuhren Ski.
Und sie sausten über weiße Hänge.
Und der Vollmond wurde förmlich fahl.
Und er zog sich staunend in die Länge.
So etwas sah er zum ersten Mal.
Manche Frauen trugen nichts als Flitter
Andre Frauen waren in Trikots.
Ein Fabrikdirektor kam als Ritter.
Und der Helm war ihm zwei Kopf zu groß.
Sieben Rehe starben auf der Stelle.
Diese armen Tiere traf der Schlag.
Möglich, daß es an der Jazzkapelle -
denn auch die war mitgefahren - lag.
Die Umgebung glich gefrornen Betten.
Auf die Abendkleider fiel der Reif.
Zähne klapperten wie Kastagnetten.
Frau von Cottas Brüste wurden steif.
Das Gebirge machte böse Miene.
Das Gebirge wollte seine Ruh.
Und mit einer mittleren Lawine
deckte es die blöde Bande zu.
Dieser Vorgang ist ganz leicht erklärlich.
Der Natur riß einfach die Geduld.
Andre Gründe gibt es hierfür schwerlich.
Den Verkehrsverein trifft keine Schuld.
Man begrub die kalten Herrn und Damen.
Und auch etwas Gutes war dabei:
Für die Gäste, die am Mittwoch kamen,
wurden endlich ein paar Zimmer frei.
Schicksal eines stilisierten Negers
Er war, weil Adelheid nicht ruhte
und weil sie wie am Spieße schrie,
mit ihr (und später ohne sie)
im Spiegelsaal auf der Redoute.
Er ging als stilisierter Neger
mit einer Art von Lendenschurz.
Der war ihm überall zu kurz
und eigentlich ein Bettvorleger.
Er war kein Freund von Maskenbällen.
Er war bedrückt. Und staunte stumm.
Und stand, wie man in solchen Fällen
herumzustehen pflegt, herum.
Er lehnte meistenteils an Säulen.
Die Frauen kamen, Mann für Mann,
und sehen sich den Neger an.
Und kriegten auf dem Busen Beulen.
Sie machten ihm enorm zu schaffen.
Mit Wein und Weib. Auch mit Gesang.
Sein Schurz war, wie gesagt, nicht lang,
und sie durchsuchten ihn nach Waffen.
Sie lockten ihn an dunkle Stellen
und zwangen ihn zu dem und dem.
Er war kein Freund von Maskenbällen
und fand es riesig unbequem.
Die eine wollte gar nicht weichen,
obwohl sie sah, wie sehr er litt,
und nahm sein Lendenschürzchen mit.
Sie sagte nur: Als Lesezeichen...
Das hätten sie nicht machen sollen!
Er hatte angebornen Takt,
verließ, sofort und völlig nackt,
den Ball - und ist seitdem verschollen.
Wie der Lokal-Anzeiger glaubt,
hat ihn, zwecks unerlaubten Zwecken,
ein Mädchenpensionat geraubt!
Dort wird man ihn schon gut verstecken.
Und noch einer:
Hotelsolo für eine Männerstimme
Das ist mein Zimmer und ist doch nicht meines.
zwei Betten stehen Hand in Hand darin.
Zwei Betten sind es, doch ich brauch nur eines,
weil ich schon wiedermal alleine bin.
Der Koffer gähnt. Auch mir ist müd zumute.
Du fuhrst zu einem ziemlich andern Mann.
Ich kenn ihn gut und wünsch Dir alles Gute,
und wünschte fast, Du kämest niemals an.
Ich hätte Dich nicht gehen lassen sollen.
Nicht meinetwegen, ich bin gern allein.
Und doch, wenn Frauen Fehler machen wollen,
dann soll man ihnen nicht im Wege sein.
Die Welt ist groß. Du wirst Dich drin verlaufen.
Wenn Du Dich nur nicht allzu weit verirrst.
Ich aber werde mich heut nacht besaufen,
und bißchen beten, daß Du glücklich wirst.