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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unterordnung



mescalin
30.03.2004, 08:56
Hy!

Hab einen 3,5 Jahre alten Retriever. Guter Hund. Leider hab ich die "Rangordnung" nie hergestellt, soll heißen mein Hund hat nicht wirklich respekt vor mir. Bin nicht das "Alphatier" demnach.
Kennt jemand von euch ein paar einfache Tricks, die wieder das Gleichgewicht herstellen?

Flummi
30.03.2004, 09:13
Hallo erstmal :D

Obwohl ich das bei meinen Hunden nicht mache - aber du könntest mal damit anfangen, daß DU zuerst bei der türe rausgehst und nicht der hund. das der hund erst fressen darf wenn DU es erlaubst (also vorsitzen lassen und dann auf kommando "los" oder was auch immer) dann das fressen erst erlauben.
mit dem hund spielen und wenn es gerade am lustigsten ist einfach damit aufhören - das spiel sollte immer von DIR angefagen und auch von DIR beendet werden. Genau so die Streicheleinheiten für den Hund - DU bestimmst wann du ihn streichelst und wann es wieder vorbei ist....usw.

LG Nicole

mescalin
30.03.2004, 09:20
Ich hätte das schon mal probiert ( Haustüre, Fressen).
Viell. nicht mit der nötigen Konsequenz.
Zu Hause ist das ja kein Problem, weil er weiß, das er immer in meiner Reichweite ist.
Beim spazieren, wenn er laufen, darf ist er immer aus meiner Reichweite.
Ich kann schreien, loben, schimpfen, man sieht richtig in seinen Augen, das ihm das bei einem Ohr reingeht und beim andern wieder raus ...
Wie ich das wieder rauskriege ... Wäre für Tipps echt dankbar.

Bonsai
30.03.2004, 09:32
Hi Mescalin!

Erstmals, ich habe auch nie eine Rangordnung hergestellt, die hat sich von selber ergeben. In erster Linie liebe ich meine Hunde, ohne wenn und aber und in zweiter Linie, bin ich der Boss, der zwar nur wenig und selten was verlangt, aber wenn, es dann auch durchsetzt.

Woraus schliesst du, dass dein Hund keinen Respekt vor dir hat? Du meinst, wenn er nicht zu dir kommt, wenn du ihn rufst, dann hat das mit der Rangordnung zu tun? Glaub ich nicht, das hat eher etwas mit der Bindung zu tun.

Also, du rufst ihn, er kommt nicht.
Du schreist, da würde ich auch nicht kommen
Du lobst, warum, wenn der Hund gar nicht kommt?
Du schimpfst, na da würde ich schon gar nicht kommen.

Vielleicht solltest du mal versuchen, dich interessant für deinen Hund zu machen. Steck supergute Leckerli ein, die er sonst nie bekommt und die etwas ganz Besonderes sind, zeig ihm ein Leckerli, halte es ihm vor die Nase und dann geh ein paar Schritte rückwärts und locke ihn nach. Folgt er dir, bekommt er ein Leckerli. Sprich dabei mit deinem Hund, hüpf herum, nimm Spielsachen mit, kämpfe mit ihm spielerisch, mach, was immer dir auch einfällt und dich für deinen Hund wichtig macht.

Hier ist Phantasie und Lebendigkeit gefragt, denn nur, wenn du es schaffst, für deinen Hund wirklich wichtig und interessant zu sein, bist du ein echtes und vor allem freiwillig ausgesuchtes und nicht ein aufgezwungenes "Alphatier".

lg
Bonsai

mescalin
30.03.2004, 09:40
Ich hab das so gemeint:

Wir spazieren, er sieht was das ihn interessiert. Er läuft weg. Ich rufe, er hört nicht.
Er läuft weiter weg (distanz) also muß ich richtig schreien.
Manchmal dreht er sich richtig um, sieht mich an und zischt ab ... daher denke ich er hat keinen Respekt.

Ich bin mir da nicht so sicher, ehrlich gesagt, ob ich in dem Fall als Animateur große
Erfolgschancen habe....

Die Tipps hier sind echt gut, aber irgendwie hat das bei meinem Hund nie soo richtig geklappt. Er tut einfach das, was er will.

Darum habe ich vermutet, das die Rangordnung falsch gewichtet ist.

rotti1998
30.03.2004, 09:53
Hallo erstmal im Forum,
nachdem du schreibst es ist ein guter Hund, hast du vermutlich nur draussen das Problem, daß er sich für dich nicht "interessiert"
Wenn es so ist hört es sich für mich nicht nach einem Rangordnungsproblem an, sondern nach einem Interessensproblem, versuch mal es kurz zu erklären:
Hund findet alles andere interessanter wie mich und gibt mir sprichwörtlich die Gurke; daher versuche ich meinen Hunden zu lernen, daß ich das Wichtigste und Tollste in ihrem Leben bin, und das über Motivation und nicht über Strafe. Kommt mein Hund nicht gleich her, mach ich mich interessant für ihn (hab am Anfang IMMER Leckerlis oder Spielzeug mitgehabt), lauf ein Stück in die andere Richtung, Versteck mich,... (auch wenn die Leut blöd schauen)
kommt er dann (auch wenns "Stunden" dauert) wird sofort gespielt oder gelobt.
Spiel starte ich, beende ich und es gibt keinen SB-Laden im Garten/ Haus, d.h. Spielsachen werden weggeräumt.
Für Leckerlis muß Hund immer was machen (Sitz, Komm Her oder Hier draußen und Leckerli gibts immer erst wenn Kommando ausgeführt wurde).
Hoffe das hilfr dir fürs erste

Sheila
30.03.2004, 09:53
Spielt dein Hund gerne mit Steckerl? Meine Hündin (auch ein Goldi, aber erst 9 Monate) hört zwar, wenn ich sie ableine, aber wenn sie einen Stecken hat, sind die Ohren nur mehr auf Durchzug geschalten. :rolleyes:
Was dann (meistens) ganz gut funktioniert ist, wenn ich mich bücke, einen Stecken nehme (oder zumindest so tue, wenn grad keiner da ist) und ganz entzückt "Da schau her!" sag. :p Dann kommt sie meistens sofort her, um zu sehen, was ich habe. Dann spiel ich kurz mit ihr, und leine sie dann an.

Bonsai
30.03.2004, 09:55
Hi Mescalin!

Es ist falsch, bei jedem vermeintlichen Nichbeachten eines "Befehls" auf eine fehlende Rangordnung zu schliessen, wobei man sich überhaupt die Frage stellen sollte, ob es zwischen Hund und Mensch überhaupt eine Rangordnung geben kann, da beide nicht derselben Spezies angehören.

Die meisten Rangordnungsprobleme bzw. Dominanzprobleme sind bei genauerer Betrachtung nichts anderes als Bindungsprobleme. Hast du schon mal bei einem Hunderudel beobachtet, dass ein Hund nach einem anderen Hund ruft, schreit, befiehlt, wenn dieser sich aus dem Rudel entfernt? Nein, oder? Ein Hund, der eine gute Bindung zu seinem Hundeführer hat, bleibt gerne und freiwillig bei ihm und falls er wirklich etwas sehen sollte, wo er glaubt, da muss er jetzt unbedingt hin um es zu begutachten, dann liegt es ganz allein an dir, DICH für deinen Hund noch interessanter zu machen, als das, was er glaubt, jetzt unbedingt sehen zu müssen.

Mit dem Hund z.B. Unterordnung zu machen dient auch nicht in erster Linie um die Rangordnung zu stärken, sondern um interessant für deinen Hund zu werden. Ihr arbeitet gemeinsam, er hat dabei positive Erlebnisse, indem du ihn lobst, Leckerli gibst, streichelst, etc. Darum macht Hunden Unterordnung Spaß, wenn man es richtig macht. Und darum verstärkt das eure Bindung zueinander und darum entsteht dann automatisch so etwas wie eine "Rangordnung", aber nicht, weil du so toll Befehle geben kannst, sondern weil du es in der Hand hast, dem Hund Freude und interessante Tätigkeiten zu vermitteln.

Ich weiß, das ist sehr schwer zu erklären und es gibt sicher auch genug andere Meinungen, aber ich verfahre mit meinen Hunden so und der Endeffekt ist der, dass sie richtiggehend an mir kleben. Obwohl sie schon 10, 8 und 4 Jahre alt sind, geh ich nie ohne Leckerli und Spielsachen aus dem Haus und dadurch bin ich für meine Hunde der absolute Mittelpunkt. Wenn ich merke, dass sie etwas in der Ferne sehen, brauch ich nur mit meinem Sackerl rascheln und schon sind sie bei mir und sehen mich erwartungsvoll an, was denn da jetzt Gutes kommt :).

lg
Bonsai

rotti1998
30.03.2004, 10:04
seh das genauso wie bonsai, hab zwei prob-hunde aus dem Tierheim und auch bei denen funktioniert die Methode wie geschmiert.
Hab Beiden erstmal beigebracht, daß Frauli folgen absolut Spaß macht, und Frauli immer toll ist.
Mittlerweile kommt mein Neuer (hab ihn erst seit Februar) auf das erste Komm Her (ui wie freut sich da das frauli - auch für den Hund ersichtlich).
Und jetzt werd ma ihm genauso das Stänkern an der Leine abzugewöhnen (schaff ma sicher auch in rekordzeit)
lg rotti

mescalin
30.03.2004, 10:04
Ich muß leider zugeben, das die Sache mit dem "sich interessant machen" sehr gut funktioniert.
Vermutlich habe ich zu leicht aufgegeben, auf der anderen Seite habe ich eigentlich das für den Mangel an Respekt, den ich zu erkennen glaube, verantwortlich gemacht.
Dachte einfach dominanter sein zu müssen.

Danke an alle für eure Tips.

mescalin

Bonsai
30.03.2004, 10:22
Hi Mescalin!

Versuch doch mal, das von deiner eigenen Warte zu sehen. Welchen Chef respektierst du mehr? Den, der dir ununterbrochen Befehle gibt, dabei aber unsicher wirkt, eigentlich nicht wirklich weiß, was er will und dich ständig versucht mit uninteressanten Dingen zu überhäufen oder den, der dich lobt, wenn du etwas gut gemacht hast, der dir interessante Aufgaben gibt, der souverän und kompetent wirkt, der einfach "über den Dingen steht" und stehts Kraft und Ruhe ausstrahlt?

Oder stell dir einen Partner vor oder Freunde, Bekannte, Verwandte? Wann hast du Respekt, bzw. ist der Respekt immer automatisch vorhanden oder ist es nicht eher so, dass gewisse positive Dinge, eine gute Ausstrahlung, Wissen, Ruhe, Gelassenenheit erst den Respekt wirklich entstehen bzw. wachsen lassen?

Es ist nicht selbstverständlich, dass dein Hund dich respektiert, das wäre zuviel verlangt, nur weil du ihm Unterschlupf gewährst und im sein Futter gibst. Respekt muss wachsen und man muss einiges dazu tun und zwar musst DU etwas dazu tun, damit der Hund sich bei dir sicher, wohl und geborgen fühlt und vor allem, damit DU für ihn der Mittelpunkt seines Lebens wirst.

lg
Bonsai

Biggi
30.03.2004, 17:52
ich würde jetzt vielleicht auch mal mit einer langen Leine arbeiten (8m). Ihn rufen und immens loben und Leckerlis geben.
Es kann auch sein, das Du ZU viele Befehle gibst. Zähl mal nach, wie oft Du "komm her", "hier", "Fuß" etc. sagst. Irgendwann gehts dem Hund bei einem Ohr rein und beim anderen wieder raus. Er registriert es gar nicht mehr.
Also mußt Du jetzt versuchen ihm die Spaziergänge interessanter zu machen.
Versteck Dich kurz. Vielleicht kannst ihm auch Würstchenstücke verstecken.
Lauf mit ihm kurze Strecken, laß ihn über Baumstämme kraxeln und springen. Nimm ein Quietschpuppi mit und wirf es ihm. Ich weiß das klingt jetzt alles ein bisserl "Gaga". Aber es liegt alleine an der Bindung zu Dir.

Liebe Grüße Biggi und Leni

Herbst
30.03.2004, 20:10
Ich habe beim Beobachten verschiedener Tierarten, nicht den Eindruck, dass sich Eltern mit anderen Einflüssen in der Wahrnehmung ihrer Welpen messen.
Die Muttertiere bauen ein intensives Beziehungsband auf. Das durch Füttern, Spielen, aber auch durch Entspannung, gemeinsames Ruhen, Schlecken immer wieder gestärkt wird. Die Muttertiere, verwenden verschiedene ruhige Laute um mit ihrem Nachwuchs in Kontakt zu bleiben. Dieser ist immer aufrecht.

Achtet einmal darauf wie oft sich euer Hund vergewissert, ob ihr mit ihm in Kontakt seit.
Das sind ganz kurze Blicke (Alles OK => Ja alles OK)
Beobachtet, was für einen Einfluss es hat, wenn ihr in Gedanken versinkt, oder wenn ihr mit anderen Kontakt aufnehmt.

Wenn ein Ranghohes Tier den Ort wechselt, ruft er nicht herum, es gibt auch keine Trommler, die die Gruppe in Aufregung versetzen. Weil zwischen den Tieren in der Gruppe ein Kontakt gepflegt wird, stehen alle nach der Reihe auf und gehen mit.
Laut wird es nur, wenn irgend einer in der Gruppe einen Wahrnruf ausgestossen hat.

Ich glaube, dass wir Menschen dem Thema "Unterordnung" zu viel Bedeutung geben.


Herbst

Herbst
05.04.2004, 21:30
Ich muß leider zugeben, das die Sache mit dem "sich interessant machen" sehr gut funktioniert.
Vermutlich habe ich zu leicht aufgegeben, auf der anderen Seite habe ich eigentlich das für den Mangel an Respekt, den ich zu erkennen glaube, verantwortlich gemacht.
Dachte einfach dominanter sein zu müssen.
mescalin

Ich bin durch das Video von Turid Rugaas "Calming Signals" zu der Erkenntnis gekommen, dass es nicht darum geht interessanter zu sein. Es verbirgt sich der Gedanke des Messens. Eine erhöhte Erwartungshaltung, kann beim Menschen zu Anspannungen führen. Ich gehe davon aus, dass ein Tier dadurch beeinträchtigt wird. Eine heftige Konfrontation wird mit verlangsamten Bewegungen beantwortet. Wird dieses Verhalten des Hundes als Verweigerung der Befehle gesehen und Verweigerung als dominantes Verhalten eingestuft, so ist ein unangenehmer Kreislauf fast schon vorprogramiert.

Herbst