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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hundliche Aggression



Helga
29.01.2001, 13:08
Im Forumsthema "Kampfhunde aus anderer Sicht" wird immer klarer, dass Aggression nicht allein an den sog. Listenhunden vorkommen kann.
Ich habe da eine Frage an die Experten im Forum:
Ist übersteigerte Aggression angeboren ? Und wenn ja, bleibt für solche Hunde nur mehr die Tötung oder können die bei "guter Führung" einigermassen gut resozialisiert werden?
Stimmt es, dass sogenannte "Alphatiere" gesteigert aggressiv sind und dass diese Aggression sich steigert bis zum 6. Lebensjahr?
Bin schon neugierig auf Eure Antworten!
lg
Helga

gundula.zschocke
29.01.2001, 14:51
Hallo Helga,
bin bestimmt kein Fachmann aber führe jetzt seit ca. 25 Jahren Hunde der verschiedensten Rassen und Mischungen. Ich hatte Dir ja schon auf einer anderen Seite von unserem Cockermädchen erzählt und privat auch von unserem Schäferhundrüden.
Dieser Rüde war ein absolutes Alphatier. Alle paar Monate testete dieser Schlumi meinen Rang in der Familie und ich mußte ihn immer wieder mit Unterordnungsübungen auf seine Rangstelle in der Familie verweisen. Die Kinder akzeptierte er ohne einen Rang auszutesten. Bei meinem Mann stellte er die Rangordnung auch von Zeit zu Zeit in Frage. Besonders heftig wurde es, nachdem er gedeckt hatte. Sein Wesen hat sich während seiner gesamten Lebensdauer in dieser Hinsicht nicht geändert, er wurde auch nicht ruhiger. Jetzt haben wir 4 Hunde, 2 x Rüde und 2 x Hündin. Darunter ist ein Molosserrüde 63 Kilogramm schwer und sehr groß. Dieser Rüde (jetzt 4 Jahre alt) hat noch niemals die Rangordnung in der Familie in Frage gestellt, geschweige denn ausgetestet wie unser Schäferhund. Er ist äußerst sensibel und absolut mit der Stimme, sogar ohne eine Unterordnung zu lenken. Ist aber nicht so, denn Unterordnung ist bei uns oberste Hundepflicht. Somit denke ich es gibt a.) Rassen die einfach oder schwerer zu lenken sind, b.) dominate und weniger dominante Tiere und Alphatiere, wo sich auch der Mensch immer wieder auf's neue beweisen muß.
Vielleicht liege ich falsch, fände eine Diskussion zu diesem Thema aber sehr interessant. Auch über Alpha-Hündinnen und deren Verhalten.
Gundula

Helga
29.01.2001, 18:01
Hi Gundula!
Ich wäre auch gespannt über Meinungen zu diesem Thema! Mich beschäftigt, wie einige von Euch durch pers.mails wissen, das Einschläfern einer 4jährigen Hündin, die ihren Leuten deutlich "über den Kopf" gewachsen ist. Es kam zu argem Territoralverhalten und daraus folgend einem Bissunfall mit dem jüngsten Sohn der Familie.
Da ich der Sache auf den Grund gehen wollte, habe ich beim Verein angerufen und bekam die lapidare Antwort: die hat schon als Welpe die Tendenz zum "Bös-sein", d.h. sie saß bei einem Klubabend auf dem Schoß ihres Fraulis und knurrte und schnappte, als jemand sie angreifen wollte. Waren das schon "Vorboten" ihres späteren Verhaltens, wie hätte man damals schon durchgreifen müssen oder muss man solche Hunde gleich töten?
Helga, die Wissbegierige!
P.S. zeigtaber auch, wie wichtig es wäre, dass Hundeclubs wichtige Impulse zur Hundehaltung geben. Von der blossen Feststellung: die war schon als Welpe bös ist niemand geholfen!

Nadine
29.01.2001, 23:09
Hallöchen Helga,
also, bei der Frage zur angeborenen Aggression kann ich nur sagen, es kommt auf den Züchter an. Wenn man Beispielsweise zwei aggressive Hunde miteinander verpaart, ist es zu befürchten, das die Welpen ein gesteigertes aggressionsverhalten zeigen. Aber seriöse Züchter achten immer darauf, das nur Zuchttaugliche Hunde auch verpaart werden. Also, kommt es bei normalen Züchtern nicht vor. Bei den anderen Fragen, möchte ich lieber keine falsche Äußerung machen.
MfG Nadine

Spike
30.01.2001, 08:54
<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Arial">Zitat:</font><HR>Original erstellt von Nadine:
Hallöchen Helga,
also, bei der Frage zur angeborenen Aggression kann ich nur sagen, es kommt auf den Züchter an. Wenn man Beispielsweise zwei aggressive Hunde miteinander verpaart, ist es zu befürchten, das die Welpen ein gesteigertes aggressionsverhalten zeigen. [/quote]

Es kann sein, hat dann aber wahrscheinlich andere Gründe, nicht die gezielte Zucht. Schau dir Z.B. die Nachfahren von Zeus an - ich habe einen Nahchfahren gesehen der die Ruhe und das Lamm vor dem Herrn ist.

Also mit solchen Äußerungen bin ich ziemlich vorsichtig, lesen diese Threads vielleicht die Falschen und fühlen sich dann wieder bestätigt.

Lieben Gruß

Bully
30.01.2001, 10:54
Auch ich möchte mich zu diesem Thema sehr vorsichtig äussern, will aber von unserm Rudel kurz erzählen:

Wir leben mit 6 Hunden in einem Rudel und das so wie wir es für richtig halte, dass ein Rudel sein sollte.

Mein Mann ist der Rüde für alle Hunde und ich die sogenannte Alpha-Hündin -&gt; hier bitte nicht lachen, man kann sich gerne überzeugen!

Unser Miniatur-Bullterrier hat mit 1,5 Jahren, dass erste Mal abgetestet, ob er die Führung meines Mannes übernehmen kann, nachdem dieses "Projekt" schief gelaufen ist passierte folgendes:

Von unseren Hündinnen gibt es eine French Bulldogge Hündin namens Indi und diese Hündin versucht immer wieder meinen Rang und die Gunst (aus Ihrer Sicht) die ich bei meinem Mann habe zu stören!

Hat aber dann die Gelegenheit genützt als Mino (Bully) den Rang abgetestet hat, sich als seine Partnerin anzuhängen, d.h. hätte Mino Haralds Rang bekommen hätte Sie durch seinen "Sieg" automatisch, weil sie seine Gunst hatte (den jetzt bin ich die "Hündin") die Alpha-Stellung als Hündin übernommen!

Die anderen Hündinnen und unser zweiter Rüde sind den Beiden untergeordnet und damit kam für Mino nie eine andere Hündin in Frage im Gegenteil es war für mich eine intressante Erfahrung, dass er ausschliesslich auf die Läufigkeit von Indi ansprach, d.h. ist eine andere Hündin läufig war es bis heute nie intressant, nur bei Indi spielt er immer verrückt!

Dann geschah, dass was uns auch klar war, die Rudelschwächeren wurden von Mino terrorisiert (wie es auch z.B. bei Wölfen vorkommt), immer wieder wurden die Anderen im Garten "Opfer" von Ihm, kurze Attacke in dem sich das restliche Rudel sofort teilte, man folgte seinem Ruf den Einem auszuschliessen! Das war dann so, dass die eine Hündin nie mitspielen durfte und ein sehr furchtsames Wesen wurde, sobald Mino den Garten betrat!

Um Ruhe im Rudel zu behalten haben wir in Absprache mit einem Profi Mino abgesondert, denn sonst würde es vielleicht mal so wie in manchem Wolfsrudel enden, der Schwächste wird getötet.

Auch wenn es hart klingt, es wäre in der Natur ein normaler Lauf und ich möchte so leben wie es den Hunden entspricht!

Möchte hier aber anmerken:

Unsere Hunde sind in keiner Weise anderen Hunden od. Menschen gegenüber aggressiv, weil bei uns Jeder sein darf den mein Mann oder ich akzeptiere!

Wir haben viel Besuch auch durch meinen Beruf verbunden und hier wurde noch nie eine Auffälligkeit durch einem meiner Hunde festgestellt!

Bei Spaziergängen ist es nun so mein Mann und Mino voran gehen und ich gefolgt von der restl. Bande gehen dahinter und somit haben wir Ruhe im Rudel und es ist eine Akzeptanz von allen unseren Hunden untereinander und auch von uns als Chefs!

Viele von Euch werden das nicht verstehen können, aber wir leben sehr glücklich und in Frieden miteinander und empfinden es als normal!

Für mich ist dieses Alpha-Syndrom was natürliches und auch immer wieder intressantes im Rudel und bei rechtzeitigem Einschreiten auch sicher kein Problem!

Wir für unseren Teil haben festgestellt, dass es nicht angeboren ist, sondern es sich im Rudel einfach ergibt, dass ein Rüde versucht mit einer Hündin das Rudel zu teilen und sich dann zur Gründung eines eigenen "Stammes" vielleicht sogar absetzt!

Töten käme für uns nie in Frage!!!!
Wir haben es einfach innerhalb des Rudels geklärt und uns fachliche Unterstützung geholt!

Möchte hier aber anmerken bin kein Experte auf diesem Gebiet, mein Bericht basiert auf den Erfahrung mit den Hunden aus meinem Leben!

ottokar
30.01.2001, 14:42
hallo Helga,
ob übersteigerte Aggression gezüchtet werden kann, weiß ich nicht, nehme aber mal so hin, dass es so sein kann.
Ich denke allerdings, dass eine andere Ursache für aggressives Verhalten von Hunden, jetzt mal abgesehen von tierquälerischem Scharfmachen, einfach die Unkenntnis und Blauäugikeit von Haltern ist.
Beispiel:
Der Bruder unseres Rüden (Riesenschnauzer, Berner Sennerhund und und) war schon als Welpe im Wurf ein sehr dominantes Tier, kam in falsche Hände (nicht unbedingt lieblos aber unwissend bis zur Fahrlässigkeit) und landete, nachdem er 2 Kinder in der Familie gebissen hatte, im Tierheim. Dort holten wir ihn heraus und mit viel Mühe ist es meiner Schwester gelungen, ihn einigermaßen zu erziehen. Trotzdem ist und bleibt er ein Hund, der - ich habe das schon mal beschrieben in diesem Forum - dauernd austestet, wer der Rudelchef ist, und das nicht immer sanft. Und nur wenn man ihm täglich durch äußerst konsequentes Verhalten und Unterordnungsübungen seinen Rang klar macht, auf so Kleinigkeiten achtet, wie:"WEr darf zuerst durch die Türe?" etc. kann man ihn kontrollieren. Unser Rüde dagegen, ist in der Hinsicht viel unproblematischer. Er will auch gelegentlich wissen, wer der Herr im Haus ist, aber wesentlich weniger oft und vor allem laufen diese Versuche immer sehr harmlos ab. Wie gesagt, beide aus dem gleichen Wurf. Nun stellt sich die Frage, sind die beiden so unterschiedlich weil sie im ersten Lebensjahr unterschiedlich gehalten wurden oder haben da verschiedene Gene durchgemendelt?
Also meiner Meinung nach resultiert Bissigkeit und übersteigerte Aggressivität in den meisten Fallen aus einer unlücklichen Konstellation von angeborenem Dominanzverhalten und nicht angemessener Aufzucht, Haltung und Erziehung.
Dass starkes Dominanzverhalten bei Hunden, ganz egal welcher Rasse, vorkommen kann und angeboren ist, wurde bereits in den bisherigen Beiträgen zu diesem Thema verdeutlicht. Dass Dominanzverhalten nicht zum Desaster führen muss,wenn man damit umgehen kann, ebenfalls. Allerdings werden mir viele zustimmen: Ein dominanter Hund stellt wesentlich höhere Ansprüche an seinen Halter als ein submissiver.
Mein Rat: wer sich einen Wélpen zulegen will, sollte möglichst viel Zeit damit verbringen, sein Verhalten im Wurf zu beobachten. Es ist phantastisch, wie sich die einzelnen Charakterdispositionen schon nach kurzer Zeit im Umgang mit den Geschwistern beobachten lassen. Ich denke so kann man relativ sicher gehen, den Hund zu finden, der am besten zu einem passt.
o

gundula.zschocke
30.01.2001, 20:14
Hallo Bully,
fand Deine Erzählung über Euer Hunderudel und die einzelnen Stellungen innerhalb dieses Rudels sehr interessant.
Wir leben auch mit 4 Hunde zusammen, d.h. zwei unkastrierten Rüden und 2 kastrierten Hündinen. Eine feste Rangordnung scheint es nur insoweit zu geben, daß mein Mann ich ich "Chef von's Ganze" sind.Dabei wird aber auch nicht einer bevorzugt, sondern beiden gleichermaßen Respekt gezollt. Der Molosserrüde führt das Rudel und ansonsten arrangieren sich die drei anderen untereinander, was heißt, daß jeder alle Leckerchen mit jedem teilt usw.
Der Einzige der sein Leckerchen verteidigt ist der große Rüde, aber auch nicht ernsthaft. Zur Not läßt er es sich von den anderen Hunden auch abnehmen.
Also scheint es nur durch Anerkennen unserer Rangstellung zu funktionieren, denn unsere kleine alte Hündin (Dackel-Pudel-Mix) verweist den großen Bordeauxdoggen-Rüden auch gern mal in seine Schranken. Der andere Rüde ist erst vor ca. 1 Jahr (er ist bereits älter als unser erster Rüde) zu uns gekommen.
Da hat es eine Auseinandersetzung um den Rang gegeben. Die Sache ist geklärt und der ältere Rüde darf jetzt sogar vor unserem großen Rüden durch die Tür raus. Also kann ich nicht klar irgendwelche Rangordnungen erkennen. Vielleicht habe ich aber auch oftmals viele Kleinigkeiten übersehen. Möglich
Gruß Gundula

Ilselore
30.01.2001, 21:33
Liebe Helga,

&lt;&lt;Stimmt es, dass sogenannte "Alphatiere" gesteigert aggressiv sind und dass diese
Aggression sich steigert bis zum 6. Lebensjahr?&gt;&gt;

ein Alphatier im Wolfsrudel ist niemals ein Raufer oder ein Tier mit gesteigerter Aggressivität. Es sind die Tiere, die besonnen und "weitsichtig" (etwas vermenschlicht!) vorgehen.
Das ist auch bei unseren Hunden so. In der offenen Rudelhaltung ist das gut zu eobachten. Die aggressiven im Rudel haben keine lange Überlebenschance. Wie im Wolfsrudel so auch im Hunderudel, keine Regel ohne Ausnahme. Besonders Hunde mobben gerne, bekommt der Aggressor die Mitläufer auf seine Seite, kann es schon mal vorkommen, das ein Ernstkampf um die Rangablösung entbrennt.

&lt;&lt;...oder können die bei "guter Führung" einigermassen gut resozialisiert werden?&gt;&gt;

Du hast die Frage auf den Kopf gestellt liebe Helga.

Über eine gute Resozialisierung kann der Hund später wieder gut geführt werden. Voraussetzug: Die "Wesensschädigung" lässt eine gezielt Beeinflussung noch zu.

lieben Gruss
Ilselore

Ilselore
30.01.2001, 22:02
Ich praktizierte über 15 Jahren die offene Rudelhaltung mit Schlittenhunden. Alles Rüden, keine Hündin. Es war ein "gewachsenes" Rudel. Mein 1. Hund wuchs im Haus auf, nach 1 Jahr kam ein Welpe dazu. Dann zogen wir auf's Land. Bauten ein grosses Gehege, Hundehaus, Versteckmöglichkeiten und alles, was so dazu gehört. Chef im Hunderudel blieb der älteste Rüde, auch als weitere 2, diesmal waren es Junghunde (ca. 1 Jahr) dazukamen.

Mein Alpharüde war ein Tier, dass eine unendliche Gelassenheit hatte. Hatte das Rudel jedoch diese Gelassenheit zu arg strapaziert, dann machte er durch starkes Knurren den Jungs klar, jetzt ist Schluss. Hatten die ihre Ohren auf Durchzug, kam der Schnauzgriff, war das nicht genug, gab es eins in den Nacken und er warf sie hin, bis sie deutliche Ergebenheitshaltung einnahmen. Das war's dann. Ruhe im Rudel!
Während der 15 Jahre kam es zu einer Käbbelei unter den Rudelmitgliedern. Der Boss hielt sich raus. Der Grund: unerwünschtes Kontaktliegen auf der "Sonnenbank". Der Tierarzt durfe zu Hause bleiben, 1 Ratsch am Ohr, eines Hundes, mehr nicht.

Ich war im Gehe der "Ehrenhund" und doch der Oberalpha, da ich ja schliesslich die Beute (Futter) brachte. Bei der Trainingsarbeit und den Wettkämpfen mit meinen Hunden war das ganz anders. "Alles hörte auf MEIN Kommando"

Ilse