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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Obsessives Melden "kanalisieren"?



Cody
27.01.2012, 17:35
OK, der Cody hat schon relativ früh angefangen zu melden. Bisschen bellen, wenn es klingelt, oder wenn der Paketbote an die Scheibe klopft (der hat immer Keksis dabei, der ist super!), soll mich ja auch nicht weiter stören.
Jetzt sieht es aber folgendermaßen aus: Er meldet wie ein Wahnsinniger jeden Klick und Klack, der draußen passiert. Er dreht extrem hoch und kriegt sich auch minutenlang nicht mehr ein, springt wild durch die Gegend, steigt auf die Fensterbank, um raus zu schauen, etc etc. Aggressiv würde ich ihn weniger einschätzen; wenn er "sieht" was er da gerade verbellt hat, freut er sich eh immer ein Loch in den Bauch und tanzt um die Leute rum, dass einem schwindlig wird.

Da stelle ich mir natürlich à la Rütter die Frage "Wie haben wir ihm DAS nur beigebracht!" Wir haben uns an alle guten Ratschäge im Welpen-Alter gehalten, nicht hektisch zur Tür rennen, das Telefon ein bisschen klingeln lassen usw., aber er hat trotzdem angefangen zu melden (das is halt die Rasse... :D).

Wir ziehen bald um, und zwar von der aktuellen, sehr ruhigen Wohnung (quasi keine Nachbarn, uneinsehbarer Garten hinter dem Haus) in eine etwas belebtere Gegend mit Garten (auch) zur Straße. Die Räume haben große Fenster und man kann raus schauen ("glotzen" in feinster Aussie-Manier)... Das Problem ist jetzt ganz klar:

Hat jemand gute Vorschläge, wie man den Melde-Wahnsinn in etwas ruhigere Bahnen lenken kann? Neue Wohnung, neue Situation ist für uns hoffentlich die Gelegenheit, das gezielt anzugehen. Wir haben natürlich schon einiges probiert, aber er ist in seinem Rausch nur sehr schwer zu unterbrechen, und ich will auch nicht gleich zu den Hardcore-Maßnahmen greifen. Also lief es meistens drauf hinaus, dass ich ihn in die Box gesteckt habe (was schwierig ist, weil die kleine wahnsinnige Hündin immer gleich mit einsteigen will), und er dort bleibt, bis er mal wieder "runtergekommen" ist. Allerdings zeigt er für diese Methode null Verständnis und mufft gleich wieder los, sobald er draußen ist, und alles geht von vorne los.
Grundsätzlich ist er sowohl mit Futter als auch mit Spielzeug zu motivieren, aber wenn er meldet, schaltet er wirklich komplett auf Durchzug ...

tschidi
30.01.2012, 22:06
Also für mich hört sich das Verhalten eher ein wenig nach Unsicherheit an.

Man verwechselt das fälschlicherweise oft mit "Wachsamkeit" u "Revierverhalten" aber im Endeffekt ist es in den meisten Fällen reine Unsicherheit, weil ansonsten gäbs, wenn Frauchen eh da ist keinen Grund so auszurasten.

Kanns dir am Bsp meiner beiden etwas besser erklären. Mein Spaniel ist generell ein eher unsicherer Hund. Er meldet wenn wir zu Hause sind auch bei den verschiedensten Geräuschen. Ich hab ihm das aber abgestellt. Quasi die Verantwortung übernommen. Einfach Abbruchsignal (das muss er aber auch kennen) und ab auf den Platz. Klar kam´s vor dass er beim Aufstehen gleich wieder begonnen hat. Dann gings wieder auf den Platz. war er ruhig u halbwegs entspannt-->Belohnung! Aber wirklich im richtigen Moment!!! Das checkt wirklich jeder Hund mit der Zeit, der eine braucht länger der andere hat´s halt schneller.
Der hund darf nicht das Gefühl haben das er die Sache regeln muss. Drum auch nicht bei einem Geräusch allein raus lassen. Meiner hat sich zwar auch gewedelt wenn er die verbellten Objekte gesehen hat, aber das heisst nicht dass er sich nur so gefreut hat...das ist eher die Erleichterung dass er das Geräusch das ihn verunsichert nun einschätzen kann.

Meiner hat das so komplett abgestellt. Kurz melden ist ja kein Thema...aber wenn du sagst schluss muss schluss sein. Weil dann sollte es für deinen Hund keinen Grund mehr geben.

zB mein Schäfermix bellt wenn wir da sind gar nicht. Ist extrem an uns orientiert. sind wir ruhig u checken quasi die Lage, ist es für ihn auch ok. Dafür bellt er wenn wir nicht da sind. Denn da meint er unsere rolle übernehmen zu müssen.

Aber da ist halt schwer einzuschätzen so aus der Entfernung. Und mit Hütern hab ich auch nix am Hut. Aber das mit der Box find ich ganz gut. Versuch das in aller Ruhe. Gerade wenn deiner eh so Hochdreht. wahrscheinlich brauchst du bei ihm einfach einen langen Atem!

Viel Glück!

Cody
31.01.2012, 09:49
Ja, den Verdacht mit der Unsicherheit habe ich bei ihm eh schon länger in der Hinsicht (das einzige, was er wirklich aggressiv verbellt, ist die fette Nachbarskatze, wenn sie wieder mal in seinen Garten scheißt :D). Ist halt schwierig einzuschätzen, inwiefern er denkt, dass er Sachen regeln muss; ich sehe halt den Kontrast zur Ally gerade sehr gut, weil die sich sofort bei uns versteckt, wenn ihr was nicht passt, und nicht "nach vorn" geht wie Cody. Wir sagen manchmal scherzhaft, dass er einfach ein bisschen unbedarft ist und grinsend ins Verderben rennt (z.B. wurde er von einer Hündin bei der Züchterin von der Ally ziemlich übel verprügelt, weil er wie selbstverständlich in ihrem Revier rumgelaufen ist und sich nicht unterordnen wollte). In der Hinsicht tue ich mich dann aber auch schwer, wie ich ihm die Sicherheit geben soll, dass er sich darauf verlassen kann, dass ich es regle - da fehlt mir sicher noch die Souveränität mit dem dicken Rüden (bei der halb so schweren Hündin tut man sich da um einiges leichter...).

tschidi
31.01.2012, 19:33
Ja ist nicht immer einfach alles richtig einzuschätzen. Kann ein Lied davon singen.
Aber im Endeffekt ist wichtig das du immer ruhig und souverän in solchen Situationen bist. Also nicht laut werden oder fahrig. Da springen solche Hunde extrem drauf an.

Ich würde allgemein an der Bindung arbeiten, das hilft immer wenn HUnde unsicher sind. Dadurch lernt er sich mehr auf dich zu verlassen.

Und wie gesagt bei so Aussetzern ihn einfach so ruhig wie möglich aus der Situation nehmen. In die Box oder auf den Platz und ignorieren. Sobald er ruhig ist und halbwegs entspannt ihn mit ruhigem Kommando wieder raus lassen. Sobald er wieder ansetzt zurück mit ihm.

Zusätzlich würd ich grade bei einem Hüter noch darauf achten dass er wirklich geistig gut ausgelastet ist. Dann ist er generell ruhiger. Evt würd ich auch Bachblüten oder ein DAP Halsband probieren! Gibt auch Bernsteine die man auf´s Halsband kann, sollen auch beruhigend wirken!

Das alles hat halt bei meinem geholfen!

pinkSogg
05.02.2012, 08:23
Allo Allo,

ich darf mich hier mit Mimi als Referenz einbringen. Wir haben GANZ GENAU das gleiche. Aber ich darf dir hier gleich jede Hoffnung nehmen: Daran zu arbeiten (so, dass es WIRKLICH) was bringt ist echt langwierig.

Ich darf hier kurz die Situation schildern: Mimi reagiert auf Klopfen oder Schellen an der Tür. Und da aber so heftig, dass sie sich von außen kaum beruhigen lässt. Ich habs mit allem probiert. Geklickert, bestraft (mit unsanftem wegreißen und nem Schlag mit der flachen Hand auf die Oberschenkel - da sie das aber nichtmal mit nem wimpernschlag gewürdigt hat, hab ichs nach 2 versuchen gelassen), mit Leckerchen angedockt und weggelockt, in n andres Zimmer gesperrt (das hat die Sache erheblich verschlechtert),.. blablabla, alles was du eben so in Hundeforen oder -büchern zu lesen kriegst. Vergiss es. Wir doktorn jetzt seit bald 4 Jahren dran herum und es wird mal besser und mal schlechter. Folgendes hilft:

1. Wenn Besuch kommt, soll dieser durch den Hund einfach durchgehen und ihn ignorieren (das is schwieriger umzusetzen als man denkt - trotz Mimis dummer Art LIEBEN unsre Freunde die blöde Gurke und tun sich sichtlich schwer sie nicht anzufummeln). Keine Kekse, kein sanftes Ansprechen. Niemand hat nach einem Beschützer gerufen, also braucht auch niemand den Beschützer beschwichtigen. Die Situation bedarf keines "Beschützers" in Form eines wuscheligen Hundes. Ergo: Der Hund nimmt an der Situation bestenfalls (!) durch passive Anwesenheit teil.

2. Bei angekündigtem Besuch machen wir es meistens so dass sie 1 Minute vorher anrufen, wir machen dann einfach die Wohnungstür auf (Mimi, die denkt sie is sehr naseweis schlägt kurz an und checkt dann dass da niemand is) und die leute sollen selbstständig reinkommen.
Zumindest bei unsrem Besuch ist das kein Problem, ich weiß aber natürlich dasses Leute gibt die ein Empfangskommitee benötigen. In diesem Fall: 1 Minute vorher anrufen, Mimi bekommt was zu kauen und Futter overruled einfach alles andere :) da könnte man uns die Bude ausräumen, solange Mimi was zu kauen hat is alles ok :)

3. Desensibilisieren.
Je häufiger dieses "Es klopft, alle springen auf, jemand kommt rein"-Spiel passiert, desto schneller wirds dem Hund wurst. Bei unserer Einweihungsparty letztes Jahr haben die Hunde den 6. Gast in bekannter Manier "begrüßt" (nennen wirs halt so) und ab dem 7. wars ihnen einfach zu blöde.

4. hab ich schon gesagt dass Niemand (!) den Hund anfummeln soll? Ich nehme an dein Dicker springt dann auch hoch und all sowas: das ist das einzige Mal wo jemand den hund berühren soll und zwar zum Zwecke der "Hau ab"-Geste. Also die Krallen aus dem Feinripppulli lösen und sowas wie "lass das" oder so sagen. "Aus" würd ich dafür nicht verwenden, soll scho iwas andres sein.

Im Moment gehts bei uns ganz gut, da die Häufigkeit des Besuchs recht hoch ist und Mimi daher iwann einfach keinen Bock mehr hat.

Ich wünsch dir jedenfalls viel Erfolg dabei :)

Manon

akuma
11.02.2012, 17:39
Bei meiner Eurasierhündin war bzw. ist es genau das Gleiche.
Kommen Besucher so wird gebellt was das Zeug hält, kurz melden ist ja ok, aber Akuma konnte sich nicht mehr beruhigen. Sie lag dann 1, 2 Stunden gespannt da und sobald sich jemand bewegt hat, gelacht hat oder etwas lauter wurde gings wieder los.
Wir haben den Tipp bekommen, sie auf ihren Hundeplatz, also zu ihrer Decke zu schicken. Ich habe mir anfangs gedacht, naja, liegt sie halt dort und wird bellen, aber gott sei dank habe ich mich getäuscht.
Wir tun ihr nun immer ihre Leine rauf, denn dann kann sie nicht all das tun was sie will und sie weiß auch, dass wir dann die Kontrolle haben und legen sie auf ihre Decke. Sie ist dadurch schon nach einigen Malen viel! ruhiger geworden, meistens geben wir ihr etwas zum Kauen...
Ich hätte mir wirklich nicht gedacht, dass sie sich irgendwann beruhigen kann und still sein kann, aber es funktioniert tatsächlich so gut, dass auch wir wieder in Ruhe mit unserem Besuch zusammensitzen können.

Vielleicht wär's einen Versuch wert, das auszuprobieren - schaden kann's ja fast nicht :)
lg